{"id":4164,"date":"2019-09-15T21:06:21","date_gmt":"2019-09-15T19:06:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sg-roppen.com\/sg\/?p=4164"},"modified":"2019-09-17T22:08:18","modified_gmt":"2019-09-17T20:08:18","slug":"armbrust-weltmeisterschaft-2019-das-drumherum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sg-roppen.com\/sg\/armbrust-weltmeisterschaft-2019-das-drumherum\/","title":{"rendered":"Armbrust Weltmeisterschaft 2019 \u2013 das Drumherum"},"content":{"rendered":"<p>Wie schon angek\u00fcndigt, hatten sich unsere drei Armbrustsch\u00fctzen f\u00fcr die Weltmeisterschaft 2019 qualifiziert. Austragungsort war die russische Stadt Uljanowsk, knapp 800 km \u00f6stlich von Moskau an der Wolga gelegen. Wie hei\u00dft es so sch\u00f6n? &#8222;<em>Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erz\u00e4hlen.<\/em>&#8220; Dieser Bericht soll einen Einblick geben, wie unsere Abordnung das Abenteuer Russland erlebt hat und wie sich die Gastgeber pr\u00e4sentiert haben.<\/p>\n<h6>Anreise<\/h6>\n<p>Am Montag, den 12. August, ging es mit \u00fcber 160kg Gep\u00e4ck per Auto ab in Richtung Flughafen Wien. Die Anreise nach Uljanowsk erfolgte per Flugzeug mit einmal umsteigen in Moskau. Bis zuletzt war unklar, ob die Armbr\u00fcste, die in manchen L\u00e4ndern nicht als Sportger\u00e4te, sondern als Waffe gelten, in Moskau durch den Zoll und die Sicherheitskontrolle gebracht werden m\u00fcssen, oder ob es m\u00f6glich ist, sie so wie das restliche Gep\u00e4ck bis zum Zielort durchzuchecken. Eine Zollkontrolle in Moskau w\u00e4re sich zeitlich auf keinen Fall ausgegangen, was dazu gef\u00fchrt h\u00e4tte, dass unsere Sportler ihren Anschlussflug mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht erreicht h\u00e4tten. Einen Tag vor Abflug kam dann die erl\u00f6sende Meldung: die Armbr\u00fcste werden von der Fluggesellschaft Aeroflot mit dem restlichen Gep\u00e4ck bis Uljanowsk durchgecheckt.<\/p>\n<p>Nach den umst\u00e4ndlichen Checks bei der Gep\u00e4ckaufgabe in Wien konnte die kleine \u00f6sterreichische Abordnung, die heuer aus lediglich 7 Sch\u00fctzen bestand, um 19 Uhr endlich den Flieger Richtung Russland besteigen. Die weitere Anreise verlief dann ganz problemlos und am Dienstag um ca. 4 Uhr in der Fr\u00fch setzte der Flieger sowohl mit unseren Sch\u00fctzen, als auch s\u00e4mtlichem Gep\u00e4ck am Regionalflughafen Uljanowsk auf. Mit an Bord war auch die ungarische Nationalmannschaft. Die Durchsage des Flugkapit\u00e4ns, dass die Ankommenden knackige 6 Grad Lufttemperatur erwarten, haben im Flugzeug noch alle als Missverst\u00e4ndnis abgetan, welches auf das undeutliche Englisch des Kapit\u00e4ns zur\u00fcckzuf\u00fchren sein muss. Nach dem Verlassen des Flugzeugs war dann klar: das war kein Missverst\u00e4ndnis, das war das Wetter, welches die Sch\u00fctzen in den n\u00e4chsten Tagen erwarten wird.<\/p>\n<p>Am Gep\u00e4ckband zeigte sich dann auch schnell, dass s\u00e4mtliche Gep\u00e4ckst\u00fccke den Weg nach Uljanowsk gefunden hatten. Keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, kamen beispielsweise einzelne Koffer der Deutschen Sch\u00fctzen erst nach einigen Tagen an.<\/p>\n<h6>Wolga Cup, Training, Er\u00f6ffnungsfeier<\/h6>\n<p>Nach der Ankunft am Flughafen ging es sofort ins Hotel, wo sich gerade einmal 3 Stunden Schlaf ausgingen. Danach mussten die Sch\u00fctzen schon weiter zum Veranstaltungsort, da f\u00fcr den Dienstag der Wolga Cup, ein Mixed-Bewerb mit der 10m Armbrust, angesetzt war. Die \u00d6sterreichischen Sch\u00fctzen hatten sich entschlossen, an diesem optionalen Bewerb teilzunehmen, da er eine gute Gelegenheit bot, sich auf die Bedingungen in der 10m-Halle einzustellen. Der erste Durchgang wurde schon um 11 Uhr gestartet, zuvor mussten alle Starter noch zur Ausr\u00fcstungskontrolle.<\/p>\n<p>Am Mittwoch war dann das offizielle Training angesetzt. Die einzige M\u00f6glichkeit f\u00fcr die Sch\u00fctzen, sich auf die Bedingungen einzustellen, was gerade \u00fcber 30 Meter ganz wichtig ist. Au\u00dferhalb dieser Zeit darf auf den St\u00e4nden nicht trainiert werden.<\/p>\n<p>Am Abend fand dann die traditionelle Er\u00f6ffnungsfeier auf dem Paradeplatz von Uljanowsk statt. Wie in Russland \u00fcblich, wurde diese Veranstaltung dazu genutzt, vor dem Einmarsch der Nationen verdienten Milit\u00e4rs die diversesten Auszeichnungen zu verleihen. Umrahmt wurde das von milit\u00e4rischen Musikeinlagen. Auf einer riesigen Leinwand wurden dazu abwechselnd Propaganda-Filme mit milit\u00e4rischen Aktionen und Bilder von russischen Milit\u00e4rhelden der Vergangenheit gezeigt. Eine Szenerie, die bei sehr vielen Sportlern aus dem Westen zumindest gemischte Gef\u00fchle hervorgerufen hat.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend erfolgte dann die Vorstellung und der Einmarsch der einzelnen Nationen, wobei \u00d6sterreich als das Land vorgestellt wurde, in welchem jedes Jahr \u201eder gr\u00f6\u00dfte internationale Armbrust-Bewerb, das Austria Open\u201c stattfindet. Eine ganz klare Anerkennung der vom TLSB schon seit 10 Jahren durchgef\u00fchrten Veranstaltung.<\/p>\n<h6>Land und Leute<\/h6>\n<p>Uljanowsk, die Geburtsstadt Lenins, hat immerhin knapp \u00fcber 600.000 Einwohner. Trotzdem hat man nie den Eindruck, in einer Gro\u00dfstadt zu sein. Das Stadtbild ist von gro\u00dfen Gegens\u00e4tzen gepr\u00e4gt. Stra\u00dfenz\u00fcge mit sehr alten und extrem herunter gekommenen Plattenbauten wechseln sich mit Stadtteilen voller liebevoll und wundersch\u00f6n restaurierten Backsteinbauten ab. Auffallend: die Grundst\u00fccke, auf welchen diese H\u00e4user stehen, sind allesamt mit massiven Mauern und Einfahrtstoren gesichert. Ein Indiz, dass die Kriminalit\u00e4t nicht zu untersch\u00e4tzen sein d\u00fcrfte. Allerdings muss dazu gesagt werden, dass unsere Sportler in dieser Hinsicht keine Probleme gehabt haben.<\/p>\n<p>Auffallend waren die Gastfreundschaft und Offenheit, welcher die Sportler \u00fcberall begegnet sind. Obwohl die von den Veranstaltern zur Verf\u00fcgung gestellten Dolmetscher gleich zu Beginn betonten, dass nur sehr wenige Menschen Englisch sprechen, wurden unsere Sch\u00fctzen sehr h\u00e4ufig von den Menschen vor Ort direkt angesprochen. Dazu muss man sagen, dass Sportler in Russland ein recht hohes Ansehen genie\u00dfen. Viele Menschen wussten Bescheid, dass eine gr\u00f6\u00dfere Sportveranstaltung stattfindet. Um die Veranstaltung der Bev\u00f6lkerung n\u00e4her zu bringen, haben die Organisatoren \u00fcber die ganze Stadt verteile 6&#215;3 m gro\u00dfe Plakate mit erfolgreichen Armbrustsch\u00fctzen verteilt. An allen gro\u00dfen Pl\u00e4tzen, wichtigen Stra\u00dfen und Verkehrsknoten waren diese Plakate zu sehen. Der Banner zu diesem Artikel zeigt das Plakat, auf dem unsere Katharina Auer dargestellt war. So ergaben sich mit Unterst\u00fctzung der Dolmetscher recht interessante und angeregte Gespr\u00e4che.<\/p>\n<h6>Organisation<\/h6>\n<p>Die Bewerbe mit der Match-Armbrust fanden auf dem Gel\u00e4nde der technischen Universit\u00e4t statt. Man w\u00fcrde erwarten, dass hier zumindest die technische Ausstattung soweit vorhanden ist, dass die Wettk\u00e4mpfe optimal abgewickelt werden k\u00f6nnen und sowohl Sportler als auch Zuseher immer gut informiert sind. Leider weit gefehlt. Die Veranstalter waren nicht einmal in der Lage, die laufenden Zwischenergebnisse aus der Auswertung zu den Schie\u00dfst\u00e4tten zu \u00fcbertragen. Zu Beginn waren nicht einmal die notwendigen Computer und Bildschirme vorhanden, um zumindest ein Mindestma\u00df an Information zu liefern. Dass es vor Ort keine M\u00f6glichkeit gab, auf das Internet zuzugreifen (inzwischen auf allen gr\u00f6\u00dferen Schie\u00dfst\u00e4nden eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit), hat das Bild abgerundet.<\/p>\n<p>Ein Problem f\u00fcr die Sportler war der Transport zwischen Unterkunft und Schie\u00dfst\u00e4tten. Die von den Organisatoren vorgeschlagenen Hotels lagen alle 4-5 km von den Schie\u00dfst\u00e4tten entfernt. Normalerweise wird in einem solchen Fall vom Veranstalter ein Shuttle-Service eingerichtet, da nicht alle Sch\u00fctzen zur selben Zeit am Schie\u00dfstand sein m\u00fcssen und zwischen den Wettk\u00e4mpfen oft lange Pausen haben. Pausen, welche die Sportler gerne n\u00fctzen, um im Hotel ein wenig auszuruhen oder ganz einfach etwas essen. Am Schie\u00dfstand gab es n\u00e4mlich keine M\u00f6glichkeit, etwas zu essen. Ein Kaffee-Automat mit Snacks war das einzige, was zur Verf\u00fcgung stand.<\/p>\n<p>Der Shuttle-Service bestand aus einem Bus, welcher am fr\u00fchen Morgen vom Hotel zum Schie\u00dfstand und am sp\u00e4ten Abend dann wieder retour fuhr. Dazwischen waren die Sch\u00fctzen auf sich alleine gestellt, wobei hier auch wieder die freundlichen Dolmetscher unterst\u00fctzten. Mit deren Hilfe wurden Uber-Taxis bestellt, mit welchen die \u00d6sterreichische Delegation auf eigene Kosten zwischen Hotel und Schie\u00dfstand pendelten.<\/p>\n<p>Am letzten Tag der Weltmeisterschaft luden die Organisatoren alle Sportler in einen direkt an der Wolga gelegenen Urlaubs- und Freizeitpark ein. Dort wurden die diversesten Freizeitaktivit\u00e4ten angeboten: Bogenschie\u00dfen, Dart, Beachvolleyball, Wellness, Schwimmen, \u2026 Wobei Schwimmen aufgrund des kalten Regenwetters niemand in Anspruch nahm.<\/p>\n<h6>Abschlussfeier<\/h6>\n<p>Die Abschlussfeier mit Bankett fand in einer Sporthalle statt. Bei der Ankunft wunderten sich die Teilnehmer, dass sich vor den Kassen der Halle schon sehr viele Menschen dr\u00e4ngten. Ganz offensichtlich kauften diese Menschen Eintrittskarten f\u00fcr die Abschlussfeier, was sich vorerst niemand erkl\u00e4ren konnte. In der Halle dann ein ganz komisches Bild: ein Teil der Halle war abgetrennt und f\u00fcr ein Festbankett gerichtet. Das war der Platz f\u00fcr die Teilnehmer der WM. Im Rest der Halle und auf den Trib\u00fcnen dr\u00e4ngten sich dann Hunderte von Zusehern, die interessiert die ganzen Festreden, Siegerehrungen und das Showprogramm verfolgten.<\/p>\n<p>Nach dem offiziellen Teil wurde dann klar, warum die vielen Zuseher tats\u00e4chlich gekommen waren: direkt im Anschluss gab eine anscheinend recht bekannte Rock-Band aus Russland ein fast 2-st\u00fcndiges Konzert. Genau diese Band war der Grund, warum so viele Zuseher gekommen waren.<\/p>\n<h6>Heimreise<\/h6>\n<p>Nachdem die Gep\u00e4ckaufgabe diesmal recht unproblematisch funktionierte, konnte unsere Delegation gemeinsam mit der Deutschen Mannschaft den Flieger nach Moskau besteigen. In Moskau blieben gerade einmal 1 \u00bd Stunden Zeit, um das Terminal zu wechseln und den Anschlussflug zu erreichen. W\u00e4hren unsere Sch\u00fctzen in Moskau auf das Boarding warteten, kam die Meldung, dass die Schweizer Mannschaft, welche einige Stunden fr\u00fcher abgereist war, gut in Z\u00fcrich angekommen sei. Allerdings ohne Armbr\u00fcste, welche anscheinen noch in Moskau lagen. Zu dem Zeitpunkt beschlich auch die \u00f6sterreichische Abordnung zum ersten Mal ein ungutes Gef\u00fchl.<\/p>\n<p>Nach der Landung in Wien begann dann das Warten auf die Koffer und Taschen. Die ersten Koffer mit den pers\u00f6nlichen Sachen und der Schie\u00dfbekleidung tauchten dann auch recht rasch auf. Was aber nicht kamen: die Koffer mit den Armbr\u00fcsten. Und da war es dann wieder, das ungute Gef\u00fchl. Nach mehr als einer Stunde wurde dann der Lost&amp;Found-Schalter kontaktiert. Die Mitarbeiter konnten dann recht rasch nachverfolgen, dass s\u00e4mtliche Armbr\u00fcste der \u00d6sterreicher und noch zwei weitere Koffer noch in Moskau lagen. Wann die nachgeliefert werden, konnte aber niemand beantworten. Es wurde lediglich zugesagt, dass die einzelnen Koffer dem Eigent\u00fcmer direkt nach Hause geliefert werden.<\/p>\n<p>Somit mussten unsere drei Sch\u00fctzen die Heimfahrt ohne die teuren Sportger\u00e4te antreten. Die ganze Zeit mit der Frage im Hinterkopf, ob die wohl wirklich kommen werden und in welchem Zustand die dann wom\u00f6glich sind. Um kurz vor 3 Uhr in der Fr\u00fch waren unsere Sportler dann endg\u00fcltig daheim, wobei Marie-Theres und Hans-Hermann schon in der Fr\u00fch wieder zur Arbeit mussten.<\/p>\n<p>Die Armbr\u00fcste wurden dann \u00fcbrigens schon am n\u00e4chsten Tag per Flugzeug von Wien nach Innsbruck und von dort mit einem Boten nach Roppen geliefert. Alle 4 Armbr\u00fcste waren wohlbehalten, wobei man aber erkennen konnte, dass der Zoll (vermutlich in Moskau) die Koffer ge\u00f6ffnet hatte. Vermutlich war das die Ursache, dass es die Koffer nicht mehr in den Anschlussflug schafften.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.sg-roppen.com\/sg\/bildergalerien\/bilder-ab-weltmeisterschaft-2019\/\">Zur Bildergalerie<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie schon angek\u00fcndigt, hatten sich unsere drei Armbrustsch\u00fctzen f\u00fcr die Weltmeisterschaft 2019 qualifiziert. 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